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Florilegium Historicum XVI

An Enemy’s Epitaph on Mr Gladstone

Here lies William Ewart Gladstone:
He could talk an old toad out from under a flagstone.
He sided with all: but in time overthrew
The Tories & Whigs, and the Radicals too.
“Ho! Ho!” quoth the devil “Why who is come down?
“It’s Gladstone of London (my own little Town)
Why, Billy, my work you’ve been doing so well,
I am sorry to see you so soon come to Hell!”

Thomas Erskine May: An Enemy’s Epitaph on Mr Gladstone, Parliamentary Archives, ERM/18/21.

Florilegium Historicum XV

I lived in eastern Germany for four months of 2008. There were a million weird things about living there, but there was one that I didn’t anticipate: Germans don’t fake-laugh. If someone in Germany is laughing, it’s because he or she physically can’t help themselves; they are laughing because they’re authentically amused. Nobody there ever laughs because of politeness. Nobody laughs out of obligation. And what this made me recognize is how much American laughter is purely conditioned. Most of our laughing—I would say at least 51 percent—has no relation to humor or to how we actually feel. […] It had never before occurred to me how often I reflexively laugh; only in the absence of a response did I realize I was laughing for no reason whatsoever. It somehow felt comfortable. Now that I’m back in the U.S., I notice this all the time: People half-heartedly chuckle throughout most casual conversations, regardless of the topic. It’s a modern extension of the verbalized pause, built by TV laugh tracks. […] This is not the only reason Germans think Americans are retarded, but it’s definitely one of them.

Chuck Klosterman: Eating the Dinosaur, New York 2009, p. 165-166.

Goethe meint, daß unser neunzehntes Jahrhundert nicht einfach die Fortsetzung der früheren sei, sondern zum Anfange einer neuen Ära bestimmt scheine. Denn solche große Begebenheiten, wie sie die Welt in seinen ersten Jahren erschütterten, könnten nicht ohne große, ihnen entsprechende Folgen bleiben, wenngleich diese wie das Getreide aus der Saat langsam wachsen und reifen. Goethe erwartet sie nicht früher, als im Herbste des Jahrhunderts, das ist, in seiner zweiten Hälfte, wenn nicht sogar erst in seinem letzten Viertel. Er behauptete dabei, die Vergangenheit zum Zeugen nehmend, daß alle großen weltgeschichtlichen Begebenheiten, alle große Weltentdeckungen und Erfindungen, endliche die großen Männer meist nach der zweiten Hälfte oder zum Schlusse eines Jahrhunderts gekommen wären. Goethe wurde in demselben Jahre und zwar einige Monate nach der Erfindung der Blitzableiter geboren. Es ist schwer anzunehmen, daß er das sagend sich selber als einen großen Mann bezeichnen wollte; im Gegenteil muß man eher zugeben, daß ihm so etwas gar nicht in den Sinn kam. Ich benützte es jedoch, um Fräulein Pappenheim ins Ohr zu flüstern: daß jenes Jahr weiser, als Prometheus gewesen sei, denn zuerst habe es den Blitz entwaffnet, und dann erst den Strahl des Himmels zur Erde gebracht.

Anton Edward Odyniec, letter from Weimar to Julian Korsak of 24 and 25 August 1829, in: Franz Thomas Bratranek (ed.): Zwei Polen in Weimar (1829). Ein Beitrag zur Goetheliteratur aus polnischen Briefen, Vienna 1870, p. 74-75.

Es sind einige Städte – ich glaube, Breslau ist darunter – die haben wenigstens die Schlachtsteuer. Das widerspricht aber den politischen Parteien. Deshalb sage ich: Die Politik macht uns todt, indem sie uns hindert, unsere Interessen wahrzunehmen; sobald es der Parteipolitik, der Fractionspolitik nicht paßt, so können die Interessen zu Grunde gehen, und es kann darüber ausgepfändet werden oder Hungers sterben, wer will – das ist der Fraction als solcher vollständig gleichgültig; sie fragt nur: Was nützt es meiner Fraction? Vivat fractio, pereat mundus!

Otto von Bismarck: Reichstagsrede vom 9. Mai 1884, in: Die politischen Reden des Fürsten von Bismarck, ed. Horst Kohl, vol. X (Stuttgart 1894), 133.

Florilegium Historicum XII

Mrs Sheridan told me that she was travelling in a stage-coach, and had sat silent for a long time while a fellow was chattering away like a magpie and thought they were all admiring his brightness. At last he simpered and said, “An’t I a most egregious coxcomb?” “Um?” cried an old deaf gentleman. Mrs. Sheridan bawled into his ear, “The gentleman, Sir is a great coxcomb: he thinks we don’t observe it, and he wants to tell us of it.” This confounded him so that he did not speak a word for a long time.

James Boswell: London Journal 1762-1763, ed. Frederick A. Pottle, London 1950, p. 91 [entry of 17 December 1762].

Florilegium Historicum XI

Aber ich bin ja natürlich krank, daß mich jetzt alles so tief erschüttert. Oder wissen Sie? ich habe manchmal das Gefühl, ich bin kein richtiger Mensch, sondern auch irgend ein Vogel oder ein anderes Tier in Menschengestalt; innerlich fühle ich mich in so einem Stückchen Garten wie hier oder im Feld unter Hummeln und Gras viel mehr in meiner Heimat als – auf einem Parteitag. Ihnen kann ich ja wohl das alles sagen: Sie werden nicht gleich Verrat am Sozialismus wittern. Sie wissen, ich werde trotzdem hoffentlich auf dem Posten sterben: in einer Straßenschlacht oder im Zuchthaus. Aber mein innerstes Ich gehört mehr meinen Kohlmeisen als den »Genossen«. Und nicht etwa, weil ich in der Natur, wie so viele, innerlich bankerotte Politiker ein Refugium, ein Ausruhen finde. Im Gegenteil, ich finde auch in der Natur auf Schritt und Tritt so viel Grausames, daß ich sehr leide. Denken Sie z. B., daß mir das folgende kleine Erlebnis nicht aus dem Sinn kommt. Vorigen Frühling ging ich in meiner stillen leeren Straße von einem Feldspaziergang heim, als mir auf dem Boden ein dunkler kleiner Fleck auffiel. Ich bückte mich und sah ein lautloses Trauerspiel: ein großer Mistkäfer lag auf dem Rücken und wehrte sich hilflos mit den Beinen, während ein ganzer Haufen winziger Ameisen auf ihm herumwimmelten und ihn – bei lebendigem Leibe verzehrten! Mich schauerte es, ich nahm mein Taschentuch heraus und fing an, die brutalen Bestien wegzujagen. Sie waren aber so frech und hartnäckig, daß ich einen langen Kampf mit ihnen ausfechten mußte, und als ich endlich den armen Dulder befreit und weit aufs Gras gelegt hatte, waren ihm schon zwei Beine abgefressen…. Ich lief fort mit dem peinigenden Gefühl, daß ich ihm schließlich eine sehr zweifelhafte Wohltat erwiesen habe.

Rosa Luxemburg: Letter to Sophie Liebknecht of 2 May 1917, quoted in: Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis [1920], Karl-Maria Guth ed., Berlin 2016, p. 18.

The Sociology Section of the University of Bayreuth has invited me to give a lecture within the framework of a series it organizes in the coming academic year on the subject of Populism and Cultural Pessimism.

In my presentation on November 21 (at the Glashaus, 6 to 8 PM), titled

Five to Twelve Forever? Cycles of Cultural Critique

(Schon immer fünf vor zwölf? Konjunkturen der Kulturkritik)

I will address the temporal structure of cultural critique with a focus on the eighteenth to twentieth centuries.

The program for the first semester is as follows

Bayreuth