Feeds:
Posts
Comments

Posts Tagged ‘Century’

Goethe meint, daß unser neunzehntes Jahrhundert nicht einfach die Fortsetzung der früheren sei, sondern zum Anfange einer neuen Ära bestimmt scheine. Denn solche große Begebenheiten, wie sie die Welt in seinen ersten Jahren erschütterten, könnten nicht ohne große, ihnen entsprechende Folgen bleiben, wenngleich diese wie das Getreide aus der Saat langsam wachsen und reifen. Goethe erwartet sie nicht früher, als im Herbste des Jahrhunderts, das ist, in seiner zweiten Hälfte, wenn nicht sogar erst in seinem letzten Viertel. Er behauptete dabei, die Vergangenheit zum Zeugen nehmend, daß alle großen weltgeschichtlichen Begebenheiten, alle große Weltentdeckungen und Erfindungen, endliche die großen Männer meist nach der zweiten Hälfte oder zum Schlusse eines Jahrhunderts gekommen wären. Goethe wurde in demselben Jahre und zwar einige Monate nach der Erfindung der Blitzableiter geboren. Es ist schwer anzunehmen, daß er das sagend sich selber als einen großen Mann bezeichnen wollte; im Gegenteil muß man eher zugeben, daß ihm so etwas gar nicht in den Sinn kam. Ich benützte es jedoch, um Fräulein Pappenheim ins Ohr zu flüstern: daß jenes Jahr weiser, als Prometheus gewesen sei, denn zuerst habe es den Blitz entwaffnet, und dann erst den Strahl des Himmels zur Erde gebracht.

Anton Edward Odyniec, letter from Weimar to Julian Korsak of 24 and 25 August 1829, in: Franz Thomas Bratranek (ed.): Zwei Polen in Weimar (1829). Ein Beitrag zur Goetheliteratur aus polnischen Briefen, Vienna 1870, p. 74-75.

Read Full Post »